Wie gestaltet man Railway Maintenance Software so, dass sie leistungsstark bleibt, aber gleichzeitig für unterschiedliche Nutzergruppen im Alltag wirklich einfach bedienbar ist? In diesem Webinar zeigt Martin Despotoski, UI/UX Designer bei tmc, wie aus komplexen Anforderungen intuitive Lösungen werden – von Diagrammen und Karten bis hin zu interaktiven Fleet-Analytics-Oberflächen.
Ausgangslage: Viel Komplexität, wenig Spielraum für Fehler
Railway-Maintenance-Software muss mit sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen umgehen: verschiedene Stakeholder, lange Produktlebenszyklen, mobile und stationäre Nutzung sowie Geräte, die nicht immer auf dem neuesten Stand sind. Gleichzeitig sollen Informationen schnell erfassbar, sicher und ohne Umwege nutzbar sein.
Genau diese Mischung macht User-Centric Design in der Bahnindustrie anspruchsvoll. Ein gutes Interface muss nicht nur schön aussehen, sondern in der Praxis auf der Maschine, im Büro und im Feld zuverlässig funktionieren.
Was User-Centric Design bedeutet
User-Centric Design ist ein iterativer Prozess, bei dem die Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer im Mittelpunkt stehen. Martin beschreibt im Webinar vier Schritte: den Nutzungskontext verstehen, Anforderungen spezifizieren, Lösungen entwerfen und diese anschließend gegen die Anforderungen evaluieren.
Wichtig ist dabei, dass der Prozess nicht linear ist. Feedback aus der Anwendung kann jederzeit dazu führen, dass Anforderungen angepasst und Designs erneut verfeinert werden. So entsteht Software, die nicht nur theoretisch funktioniert, sondern im echten Arbeitsumfeld besser angenommen wird.
Die zentralen Herausforderungen
tmc arbeitet mit sehr unterschiedlichen User-Gruppen, etwa Maschinenherstellern, Instandhaltungsunternehmen, Betreibern und Infrastrukturmanagern. Diese Nutzer arbeiten zudem in unterschiedlichen Umgebungen: am Schreibtisch, auf der Maschine, unterwegs oder bei Dunkelheit.
Daraus ergeben sich mehrere Anforderungen:
- Die Software muss responsiv sein und auf verschiedenen Endgeräten sauber funktionieren.
- Die Bedienung muss konsistent bleiben, auch wenn Module oder Datenmengen komplex sind.
- Die Darstellung muss barrierearm und gut lesbar sein, auch unter schwierigen Lichtverhältnissen.
Gerade in der Bahnbranche ist das entscheidend, weil Fehlbedienungen oder unklare Informationen direkte Auswirkungen auf Sicherheit und Effizienz haben können.
Das Fundament: tmOS und das Designsystem
Als technisches und konzeptionelles Rückgrat dient bei tmc die Plattform tmOS, die im Webinar als eine Art zentrales Nervensystem beschrieben wird. Darauf aufbauend arbeitet das Team mit Angular Material als Basis für ein internes Designsystem.
Dieses Designsystem besteht aus mehreren Bibliotheken:
- Wiederverwendbare UI-Komponenten.
- Icon-Bibliothek.
- Layout- und Screen-Grundlagen.
- Design-Fundament mit Farbwelt, Typografie und Spacing.
So lassen sich neue Funktionen schneller entwickeln, visuell konsistent gestalten und technisch sauber an die Frontend-Entwicklung übergeben.
Beispiele aus dem Portfolio
Besonders anschaulich wird User-Centric Design in den konkreten UI-Bausteinen des Portfolios. Tabellen, Stepper, Vorschauen und Fleet Cards zeigen, wie komplexe Funktionen in verständliche Interaktionen übersetzt werden.
Tabellen mit klarer Struktur
Tabellen gehören zu den meistgenutzten Elementen, weil sie in vielen Teilen der Anwendung große Datenmengen darstellen. tmc folgt dabei festen Regeln: Suchfeld links, Filter daneben, Aktionen rechts, wichtige Row-Aktionen links und destruktive Aktionen wie Löschen klar rot markiert.
Das Ergebnis ist eine konsistente, intuitive und besser verständliche Tabellenlogik über die gesamte Anwendung hinweg.
Stepper für sichere Abläufe
Ein weiteres Beispiel ist der Stepper, etwa in tmServer beim Start einer Messung. Er führt den Nutzer durch aufeinanderfolgende Schritte und reduziert damit das Risiko von Fehlern in kritischen Prozessen.
Der Vergleich mit einer Schranke an einem Bahnübergang macht den Zweck klar: Erst wenn die notwendigen Informationen korrekt eingegeben wurden, geht es zum nächsten Schritt.
Interaktive Vorschauen
Bei Charts, Cockpit-Konfigurationen oder der Erstellung von Clearance-Profilen setzt tmc auf Vorschauen, die sich direkt während der Eingabe aktualisieren. Dadurch sehen Nutzer sofort, wie sich ihre Eingaben auswirken, bevor sie den finalen Bildschirm übernehmen.
Das erhöht die Verständlichkeit und senkt die Wahrscheinlichkeit, dass Einstellungen später korrigiert werden müssen.
Fleet Cards für schnellen Überblick
Fleet Cards verdichten viele Informationen über eine Maschine auf kleinem Raum: Maschinenbild, Betreiber, Typ, Online-Status von tmMDC, Aktivitätszeit, Wartungsstatus und Direktlinks zu Cockpit, Reports oder Notification Center.
Besonders wichtig ist hier die Reduktion von Klickwegen. Statt erst über eine Landing Page zu gehen, gelangen Nutzer mit einem Klick direkt zu den relevanten Funktionen.
Analytics verständlicher machen
Der anspruchsvollste Bereich ist laut Webinar die Analytics-Ansicht, weil dort besonders viele Informationen zusammenlaufen. Um die Übersicht zu verbessern, hat tmc die Darstellung weiterentwickelt:
- Umschalten zwischen Gesamtübersicht und Ansichten pro Protokoll.
- Kompaktmodus für mehr Charts auf dem Screen.
- Anpassbare Tooltips, etwa anheften, einzeln anzeigen oder komplett ausblenden.
- Flexible Slider-Optionen auf globaler Ebene, pro Chart oder vertikal kombiniert.
Hinzu kommt ein Bottom Sheet, das Zusatzinformationen bereitstellt, ohne die Hauptansicht zu überladen. So bleibt die Oberfläche auch bei komplexen Datenmengen handhabbar.
Warum das für die Praxis zählt
Der Nutzen von User-Centric Design liegt nicht nur in einer schöneren Oberfläche, sondern in messbaren Effekten im Arbeitsalltag. Nutzer finden schneller, was sie brauchen, machen weniger Fehler und behalten selbst bei komplexen Daten die Übersicht.
Besonders wichtig ist das für Maschinenoperatoren, die im Live-Betrieb mit vielen Informationen gleichzeitig umgehen müssen. Aber auch Instandhaltungsteams, Planer und Management profitieren von klaren Workflows, besserer Lesbarkeit und einem konsistenten Nutzererlebnis.
Blick nach vorn
Zum Ausblick gehört im Webinar vor allem das Thema Split Screen. Die Idee: Nutzer sollen mehrere relevante Ansichten parallel in getrennten Fenstern oder auf mehreren Screens nutzen können, etwa Analytics, Karten und Systemstatus nebeneinander.
Das ist besonders sinnvoll für Arbeitsplätze mit mehreren Monitoren und für den mobilen Einsatz auf Maschinen, wo eine gute Übersicht über alle Systeme entscheidend ist. Damit führt tmc den Gedanken des User-Centric Design konsequent weiter: mehr Flexibilität, mehr Übersicht, mehr Kontrolle.