Wie lassen sich Stopfmaschinen so digital führen, dass Zielgeometrien auch unter Zeitdruck präzise und reproduzierbar erreicht werden? Der Automatic Guidance Computer tmAGC ist das zentrale Bedienelement für die digitale Steuerung von Stopfmaschinen und bildet die Grundlage für die Digitalisierung von Gleisbaumaschinen. Er unterstützt Maschinenführer dabei, Zielgeometrien zuverlässig umzusetzen – auf hochbelasteten Hauptstrecken ebenso wie auf Nebenbahnen mit unbekannter Gleislage.
Ausgangslage: Komplexe Gleisgeometrie, hoher Zeitdruck
Gleisbaumaschinen arbeiten häufig unter hohem Zeitdruck, bei Nacht und in engen Sperrpausen. Gleichzeitig müssen strenge Anforderungen an Fahrkomfort, Sicherheit und Normkonformität eingehalten werden. Ohne digitale Unterstützung ist es für Maschinenbediener schwierig, Zielwerte, Hindernisse und länderspezifische Parameter jederzeit im Blick zu behalten.
Hinzu kommen unterschiedliche Quellen für Geometriedaten – bekannte Zielgeometrien aus dem Bestandsnetz, projektierte Trassierungen oder Vermessungsläufe auf Strecken mit unbekanntem Bestand. Genau an dieser Schnittstelle setzt tmAGC an.
Was tmAGC leistet
tmAGC ist der „Gehirnstamm“ der Stopfmaschine und berechnet, wie aus der aktuellen Gleislage die gewünschte Zielgeometrie erreicht wird. Je nach Szenario verarbeitet das System:
- Zielgeometrien aus Planung und Bestand, importiert über standardisierte Schnittstellen
- Messdaten von Erkundungsfahrten auf Strecken mit unbekannter Geometrie
- zusätzliche Metainformationen wie Streckenabschnitte, Geschwindigkeitsklassen und Hindernisse
Auf dieser Basis erstellt tmAGC präzise Anweisungen für Hub‑, Richt‑ und Stopfvorgänge und führt den Maschinenführer Schritt für Schritt durch den Arbeitsprozess.
Bedienung und Nutzerfreundlichkeit
tmAGC ist darauf ausgelegt, den Arbeitsalltag der Maschinenführer spürbar zu vereinfachen.
Wichtige Aspekte:
- Vordefinierte Benutzerprofile, abgestimmt auf Erfahrungslevel und Aufgabenbereich
- Frei konfigurierbare Länder‑ und Streckeneinstellungen, inklusive Geschwindigkeitsklassen und Normvorgaben
- Nachtansichten für Arbeiten im Dunkeln
- Klare Visualisierung von Soll‑ und Ist‑Geometrie sowie von Hindernissen wie Balisen oder Zählpunkten
Aktuelle Software‑Versionen optimieren zusätzlich die Benutzeroberfläche, führen neue Tastenkürzel ein (z. B. schnelles Umschalten zwischen verschiedenen Anzeigearten) und vereinfachen den Umgang mit Geometriedateien.
Technische Weiterentwicklungen und Normkonformität
Neuere Releases von tmAGC bringen technische Verbesserungen, die insbesondere für internationale Einsätze relevant sind:
- Verbesserte Schnittstellen für Gleisgeometrie‑ und Trassendaten
- Harmonisierung der Berechnungslogik zur Erfüllung relevanter europäischer Normen für Gleistrassierung und Ausrundung
- Erweiterte Metadaten für Geometriedateien, um Strecken logisch zu strukturieren
- Zusätzliche Hindernistypen für mehr Flexibilität in der Praxis
Erweiterte Logging‑Funktionen erleichtern Unterstützung und Fehlersuche, zusätzliche Sprachoptionen den weltweiten Einsatz.
Nutzen für Hersteller, Betreiber und Maschinenführer
tmAGC adressiert verschiedene Zielgruppen mit unterschiedlichen Mehrwerten:
- Maschinenhersteller erhalten eine moderne, modulare Leitcomputer‑Plattform, die Installation, Upgrades und Wartung vereinfacht.
- Betreiber und Flottenmanager profitieren von standardisierter, reproduzierbarer Gleisgeometrie über verschiedene Maschinen und Baustellen hinweg.
- Maschinenführer werden bei komplexen Aufgaben geführt, können sicherer und effizienter arbeiten und behalten trotz hoher Informationsdichte den Überblick.
Die einheitliche, digital unterstützte Arbeitsweise reduziert Fehlerquellen, erhöht die Wiederholgenauigkeit und trägt zu einer langfristig stabilen Gleislage bei.
tmAGC im Kontext der digitalen Gleisinstandhaltung
tmAGC ist Teil des Portfolios an Assistenzsystemen für Gleisbaumaschinen und fügt sich in ein größeres digitales Ökosystem ein. In Kombination mit Lösungen für Gleisgeometrievermessung, Umgebungsprofile oder Maschinendaten entsteht ein durchgängiger Workflow – von der Vermessung über die Planung bis zur Ausführung und Dokumentation.
So wird die Stopfmaschine zu einem integrierten Baustein in der digitalen Instandhaltungskette der Bahn: Daten werden nicht nur für die aktuelle Baustelle genutzt, sondern stehen auch für spätere Analysen, Qualitätssicherung und Planung bereit.